Melanie Leicher
...kompetent und engagiert

Ökologie und Umwelt

In meinem Leserbrief zur Waldentwicklung (siehe "Aktuelles") habe ich informiert, wie eine zukunftsweisende Waldpolitik aussehen muß: Nur der konsequente Schutz der natürlichen Dynamik ermöglicht mittel- bis langfristig einen artenreichen Wald, der zur Erholung einlädt! Ein Naturgut, welches der Mensch dringend zum Überleben benötigt, als Wirtschaftsfaktor anzusehen und auszubeuten, ist das verantwortungsloseste Tun der Menschen. Seit 300 Millionen Jahren existieren Bäume auf der Erde! Diese Pflanze braucht wahrlich den Menschen nicht - aber wir brauchen den Baum zum Atmen!


Des Weiteren fehlen im Westerwaldkreis Blühstreifen an den Rändern für Insekten sowie Heckensträucher in den Feldern oder am Waldrand. Ebenso nehmen die "Schottergärten" in den Ortschaften zu, da diese angeblich nicht so arbeitsintensiv sind. Selbst in Neubaugebieten mit einem Grünflächen-Bebauungsplan werden widerrechtlich und verantwortungslos  L-Steine gesetzt, Buxus, Taxus sowie Scheinzypressen gepflanzt anstatt sich an die B-Pläne zu halten und damit etwas für den Erhalt der Flora und Fauna zu tun! Dies ist nicht akzeptabel.


Ein weiteres Problem - gerade im Westerwaldkreis - ist der enorme Flächenverbrauch. Derzeit werden in Deutschland 56 ha als Siedlungsfläche und Verkehrsfläche TÄGLICH neu ausgewiesen . Das entspricht einem Flächenverbrauch von ca. 79 Fußballfeldern am Tag! Fläche ist jedoch eine endliche Ressource, mit der der Mensch sparsam umgehen muß, um sich seine Lebensgrundlage zu erhalten. Dieser Verbrauch ist ein schleichendes Phänomen, daher nehmen Bürger und politische Entscheidungsträger es kaum wahr - und daher mangelt es am nötigen Problembewusstsein. 


Bis 2030 will die Bundesregierung den Flächenverbrauch auf unter 30 ha pro Tag verringern. Diese Festlegung wurde vom Bundeskabinett im Januar 2017 ins der "Deutschen Nachhaltigkeitsstrategie" festgelegt. Im Klimaschutzplan vom Nov. 2016, der die Leitplanken für ein grundsätzliches Umsteuern in Wirtschaft und Gesellschaft auf dem Weg zu einem treibhausneutralen Deutschland beschreibt, strebt die Bundesregierung bis 2050  sogar das Flächenverbrauchsziel Netto-Null an, womit sie ein Zielsetzung der Europäischen Kommission aufgegriffen hat.


Flächenverbrauch vernichtet vielfach wertvolle Böden und ländliche Gebiete werden zersiedelt. Unzerschnittene Landschaftsräume sind aber wichtig für unsere Tier- und Pflanzenwelt und somit auch für uns Menschen! Mit zunehmender Zersiedelung sinkt die Auslastung von Infrastrukturen. Diese Konsequenzen verstärken sich noch, wenn die Bevölkerung durch den demographischen Wandel schrumpft!


Zersiedelung ist somit auch aus ökonomischer und sozialer Sicht höchst fragwürdig: Sinkt die Siedlungsdichte, steigt der Aufwand pro Einwohner zum Erhalt der technischen Infrastruktur wie Versorgungsleitungen, Kanalisation, Verkehrswege usw.. Je geringer die Nutzerdichte, desto weniger rentabel sind auch öffentliche Verkehrsmittel. Die Folge: Das Angebot schrumpft. Damit steigt die Abhängigkeit vom motorisierten Individualverkehr, was dann wieder den Ruf nach noch mehr Entlastungs- und Umgehungsstraßen - und damit Flächenverbrauch - nach sich zieht. Nicht vergessen werden dürfen allgemeine Umweltbelastungen wie Lärm, Luftverschmutzung, Verlust der biologischen Vielfalt usw.: Sie steigen nämlich, wenn Siedlungsflächen und Verkehrsflächen zunehmen. Ein Teufelskreis, der unterbunden werden muß!